So lange Schweigen

Ich habe nun monatelang nichts geschrieben. Das hatte mehrere Gründe.

Wir hatten Mitte des Jahres einen schönen Urlaub an der dänischen Nordsee, an den ich mich fast nicht erinnere. Denn danach ist so viel passiert.

Meine Schwiegermutter (85), die bis dahin wirklich fit war und ihren eigenen Haushalt ohne große Hilfe gewuppt hatte, wurde immer kranker. Sie hatte bis dahin keinen Pflegegrad. Immer öfter musste sie sich übergeben. Ihr Herz fing an zu rasen, oder es schlug sehr langsam. Wir mussten etliche Male zu ihr fahren, um ihr zu helfen. Ein Termin beim Kardiologen lag noch vor ihr. Den „dringenden Termin“ hatte sie im Herbst letzten Jahres bekommen. Der Hausarzt, der fast nebenan seine Praxis hat, wollte nicht kommen. Wir riefen zweimal die 112. Aber die Leitstelle fing an zu diskutieren. Beim zweiten Anruf schickten sie endlich den Rettungswagen, der sie in die Klinik brachte.

In der Klinik stellte man ein Lungenkarzinom fest, das schon heftig gestreut hatte. Sie wurde in die Onkologie verlegt, wo weder eine OP noch überhaupt eine Therapie indiziert war. Glücklicherweise bekamen wir einen Platz für sie im Hospiz, wo sie nach zwei Wochen starb.

In großer Eile gelang es uns, den verwaisten Haushalt aufzulösen. Wir bekamen von lieben Freunden viel Hilfe. Schwiegermutter wurde beerdigt, viele viele Dinge waren zu erledigen.

Mein lieber Bruder Wolfgang, der sich vor neun Jahren einer schweren Speiseröhrenkrebs-OP unterziehen lassen musste, baute immer mehr ab und konnte fast nur noch im Bett liegen. Im März war er gestürzt und hatte einen Oberschenkelhalsbruch erlitten. Nach der OP traten Komplikationen auf. Er wurde ins künstliche Koma versetzt, und wir konnten ihn erst Tage später besuchen. Der Verdacht auf Lungenkrebs, der bei einem weiteren KH-Aufenthalt geäußert wurde, erwies sich als falsch. Er wurde wieder entlassen, brauchte aber zuhause immer mehr Hilfe, um zurechtzukommen. Seine Frau Ingrid, als versierte Altenpflegerin, erwies sich als echter Glücksfall.

Nach Schwiegermutters Tod, musste für Wolfgang schon wieder der Notarzt gerufen werden. Der kam extrem schnell, wartete eine kleine Weile, und Wolli starb. Ich saß gerade beim Arzt im Wartezimmer, als mich die Nachricht erreichte. Da brach ich weinend zusammen. Nach der Untersuchung fuhr ich zu Wolfgang. Nie zuvor im Leben habe ich so heftig geweint, wie beim Anblick meines toten Bruders!

Das war genau vier Wochen nach dem Tod meiner Schwiegermutter.

Was half mir, mental ausgeglichen und gesund zu bleiben?

Ich konnte die Trauerfälle nicht nur mit meiner Frau Astrid, die gerade ihre liebe Mama verloren hatte, besprechen, sondern habe auch mit meinem Gott, Jehova, über meine eingestürzten Gefühle gesprochen. Astrid und ich haben viel zusammen geweint und gebetet. Und wir haben extrem viel Kraft gespürt. Wie schon anfangs erwähnt, konnte ich es kaum verstehen, dass ich mental stabil blieb. Zu der ganzen Trauer kam hinzu, dass über Nachlassfragen zu entscheiden war. Auch da machten die Gefühle eine Achterbahnfahrt nach der anderen.

Aktuell stecke ich noch mitten in den Nacharbeiten. Ja, auch die Trauer ist noch lange nicht bearbeitet. Da ist noch einiges zu tun.

Noch ne Baustelle

Ergänzend zu dem Chaos der letzten Monate kam eine schon länger geplante Badsanierung, in deren Lauf sich auch noch viele extreme Stressmomente ergaben. Unser Bad war wochenlang Baustelle, notdürftige Morgentoilette in der Küche, WC existierte einige Wochen nicht. In der Wohnung waren alle Badutensilien verteilt, alles musste gesucht werden. Das lief zeitlich alles Parallel zu den oben beschriebenen Szenarien.

Fazit:

Ich kann sagen: Dieses Jahr hatte es besonders in sich. Es war wohl das stressreichste Jahr meines Lebens. Dass ich als „Depressionist“ schadlos überstanden habe, dazu kann ich nur sagen: „Danke, Jehova, dass du mich in der schweren Zeit getragen hast!“. Das ist ein echtes Wunder, das ich noch nie so erlebt habe. Eine Erfahrung, die mir keiner nehmen kann.