Amazon Photos – zu empfehlen?

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Wer, wie ich, digital fotografiert, braucht satt Speicher. Die Festplatten kosten mittlerweile nur noch kleines Geld. Zumindest im Vergleich zu den Preisen vor über dreißig Jahren. Meine erste Festplatte mit 20MB(sic!) kostete Ende der 80er 800DM. Da lacht man heute drüber.

Dennoch ist die Speicherung einmaliger Fotos allein auf Festplatten nicht ganz risikolos. Festplatten halten nicht ewig, können vorzeitig kaputtgehen, gestohlen werden, oder wenn’s mal brennen sollte, werden sie dadurch „gehimmelt“.

Was liegt dann näher, als die Bilder einer Datenwolke einem Cloudspeicher anzuvertrauen. Die Vertrauenswürdigkeit lasse ich in meiner Betrachtung bewusst draußen vor, weil mich der in diesem Kontext gerade mal nicht interessiert. Hier soll es nur um die technische Seite gehen. Und um den, wie im Titel erkennbar, Amazon Photos-Speicher. Nicht wenige sind Amazon-Prime-Kunden. Zu denen zähle ich seit einigen Jahren auch. Da hat man für ganz viele Prime-Artikel kostenlosen Versand, kann also ein paar Wäscheklammern, Schnürsenkel oder die gewünschte Haarbürste bestellen, ohne befürchten zu müssen, dass der Warenwert nochmal als Versandkosten obendrauf kommt. Über Sinn und Unsinn dessen will ich mich hier auch nicht auslassen. Es kommen ja auch noch ganz nette Filmchen oder TV-Serien kostenlos über den genannten Dienst.

Was aber oft aus dem Fokus gerät, lässt den Fotografen aufhorchen. So auch mich. Nämlich die Amazon-Cloud. Hier sind für normale Dateien auch nur 5GB Speicher kostenlos. Die Upgrades sind marktüblich von den Kosten. Aber interessant ist der Foto-Speicher. Für alle Fotos, die man in diese Cloud hochlädt, zahlt man … genau nichts. Wenn gelegentlich ein Video ist, zählt das natürlich nicht als Foto, und mit der Zeit und Zahl der Videos werden natürlich auch 5GB knapp. Verzichtet man auf Videos und andere Dateien, wird das Foto-Universum schier unendlich.

Mit diesem Gedanken im Sinn mache ich mich also an die Arbeit. Wege in die Foto-Wolke finden die Bilder mehrere. Für jedes Smartphone- oder Tablet-Betriebssystem gibt es die Amazon Photos App. Die lässt sich so einstellen, dass jedes Foto, das ich mit dem Smartphone schieße, sofort in den Amazon Photos Speicher hochgeladen wird. Nennt sich automatischer Upload. Beim iPhone landen auch Bilder, die mir Freunde über einen Messenger schicken und die ich mir ansehe, in der Wolke. Ob das bei den Androiden auch so geht, vermute ich mal. Für den Desktop-Computer (bei mir ein MacBook) gibt es auch die Amazon-Photos-Desktop App. Diese Apps sind übrigens alle kostenlos.

Die Apps für die mobilen Geräte nutze ich schon eine zeitlang. Nun kam ich auf die Idee, die Fotosammlung, mit der ich schon vor Jahrzehnten angefangen hatte, den irdischen Gefahren mittels Upload in die Cloud zu entziehen. Also musste ich die Desktop-App holen installieren. Das ging wie immer, also schnell und problemlos. Den unvermittelt einsetzenden Upload sollte man erstmal Einhalt gebieten, denn der vermutet ja nur, welche Bilder er auf die Reise schickt. Das will ich selbst bestimmen und wähle daher die beiden SSD-Laufwerke und Ordner aus, in denen sich massenhaft Fotos befinden. Anschließend starte ich den Upload, also das Hochladen.

Die erste Überraschung erfolgt prompt. Es dauert. Okay, So ein halbes Terabyte Fotos sind nicht in Echtzeit am Ziel. Aber das rechnerische Zeitoptimum wird bei weitem überschritten. Es dauert mehrere Tage! Nachdem das erste SSD-Laufwerk zu ca. 80% in der Cloud gesichert ist, schaue ich mir das Ergebnis an. Die Ernüchterung folgt prompt.

Reihenfolge

Woher sich die App eine Reihenfolge hernimmt, ist nur zu vermuten. Da die meisten Bilder ohne Metadaten gespeichert werden, bleiben auch Daten, Uhrzeiten und Orte auf der Strecke. Das Foto von Tante Erna, die seit 9 Jahren tot ist, ist mitten in den Fotos vom letzten Nordseeurlaub, also direkt neben dem Bild von der goldenen Hochzeit, die wir mit Oma und Opa vor zwölf Jahren gefeiert haben. Im Klartext: Es gibt keine Ordnung. Nur die Bilder aus der iPhone-App sind datiert und auch mit geographischen Metadaten versehen.

Bearbeitung

Das ist eigentlich das Schlimmste. Da ich mit den „richtigen“ Kameras meist in RAW fotografiere und fast ausnahmslos die Bilder in Lightroom oder CaptureOne entwickle und bearbeite, bleibt die gemachte Arbeit komplett auf der Strecke. Sämtliche Nachbearbeitungen werden nicht übernommen. Das Allerschlimmste: Die Bearbeitungsinstrumente, die Amazon bei den iPhone-Fotos bereitstellt, sind bei den RAW-Bildern, wo sie am nötigsten wären, einfach ausgeblendet.

Fazit

So nett der Gedanke ist, mal eben zigtausend Bilder in einen Cloudspeicher, der „kostenlos“ oder als Zweitnutzen daherkommt, zu sichern, so unpraktisch ist diese Lösung.

Mit anderen Worten:
„Ihre Lösung ist toll. Nur fehlt mir das Problem dazu!“

Ich werde also bei Flickr und Apple-Photos bleiben.

Von Jürgen

Dithmarscher, oder besser gesagt, Flensburger Jung, geboren im März 1955 in Heide. Aufgewachsen und verwurzelt in Flensburg. Nordish by nature. Plopp!

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